noch im antiken Griechenland waren Daimonen andersweltliche Lehrer, Begleiter oder Schutzgeister – erst die Christen haben aus ihnen böse Dämonen gemacht. die daimonic reality meint im traditionellen Sinn also die nicht-alltägliche Wirklichkeit, die Anderswelt; während das, was wir aus unserer alltäglichen Wirklichkeit machen, immer mehr zu einer demonic reality zu werden scheint...

Sunday, May 01, 2005

DNA-Proben für räuberische Kolonialherren

Ureinwohner protestieren vehement gegen das "Genographic Project"

von Thorsten Stegemann

"Das größte Geschichtsbuch, das je geschrieben wurde", sagt der Anthropologe Spencer Wells, "ist in unserer DNA versteckt." Der Leiter des ambitionierten Genographic Project, das derzeit von dem amerikanischen Wissenschaftsverlag National Geographic und dem Computerriesen IBM durchgeführt wird, will in den kommenden fünf Jahren weltweit rund 100.000 DNA-Proben zusammentragen, um die Besiedlung der Erde durch den Menschen im Detail nachvollziehen zu können. Die Bedeutung des "Genographic Project" könne durchaus mit dem Flug zum Mond verglichen werden, meint Wells.

Die Interessenvertretungen indigener Völker sehen das anders. Sie befürchten, dass die wissenschaftlichen Vorboten der 1. Welt mit den gesammelten Daten auf eigene Faust und Rechnung medizinische Forschungen betreiben wollen. Paul Reynolds vom Maori Research Centre an der University of Auckland hält das Projekt für "colonisation as usual", und der Hawaiianer Le'a Kanehe, der sich für das Indigenous Peoples Council on Biocolonialism engagiert, geht noch mehrere Schritte weiter.

"Es ist interessant, dass rassistische Wissenschaftler, zum Beispiel solche aus der eugenischen Bewegung, in der Vergangenheit Studien durchführten, um zu beweisen, dass wir ihnen biologisch unterlegen sind; und nun sagen sie, ihre Forschungen werden zeigen, dass wir alle miteinander verwandt sind und gemeinsame Ursprünge haben. Beide Spekulationen basieren auf einem rassistischen Wissenschaftsverständnis und führen zu nichtssagenden, schädlichen Schlussfolgerungen über indigene Kulturen." (Le'a Kanehe)

"Indigene Völker sind überall auf der Welt sehr viel aufmerksamer, wenn es um Biopiraterie und unsere Menschenrechte in der Forschung geht. In den vergangenen zehn Jahren haben wir expandierende Netzwerke mit Menschen entwickelt, die gut informiert und bereit sind, ihre Rechte zu verteidigen." (Cherryl Smith)

"Unsere Schöpfungsgeschichten und Sprachen tragen alle Informationen über unsere Herkunft und unsere Vorfahren. Wir brauchen keine Gentests, die uns sagen, woher wir kommen." (Marla Big Boy)

@ Telepolis

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